Update und Frage der Identität

Die Erfahrung hat gezeigt, dass meine Motivation ein wenig leichter verloren geht, wenn ich mir vornehme, nur lange Blogeinträge zu schreiben. Der letzte Eintrag hat ein wenig gezeigt, was passiert, wenn ich einfach über ein Thema schreibe, welches mich einmal bewegt hat, aber im Moment gerade nicht besonders aktuell ist: es wird ein wenig verworren und nicht zielgerichtet.

Deshalb: Lange Einträge gibt es nun vor allem dann, wenn mich gerade etwas persönlich beschäftigt, oder wenn meine Kreativität in einem solchen Überfluss fliesst, dass ich gleich eine halbe Stunde am Schreiben bin.

 

Nun zum heutigen Beitrag… Dieser entsteht ein wenig aus dem, was mich gerade in meinem Glauben bewegt, wird aber zum Teil vermutlich auch einige nicht fertiggedachte Inhalte beinhalten. Wir werden sehen.

Die Bibel sagt in 1. Johannes 4,19 „Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“ Hier will ich mich vor allem auf den zweiten Teil des Verses konzentrieren. Gott hat uns geliebt, bevor wir auch erst wussten, was Liebe ist. Es verhält sich so, wie im Idealfall bei Vater und Kind: Ein Neugeborenes weiss noch nicht was Liebe ist und trotzdem ist es vom Vater geliebt. Muss nun das Kind die Liebe des Vaters beim Älterwerden plötzlich durch Leistungen verdienen? Ich denke nicht. Der Vater wünscht sich aber, Teil des Lebens des Kindes zu sein. Er interessiert sich für das Kind und auch für eine Beziehung mit ihm.

Ich denke, dass es sich mit Gott gleich verhält. Gott liebt die Menschen nicht aufgrund ihrer Leistungen. In Psalm 40,6 schreibt der Psalmist: „Du hast keine Freude an Opfern und Gaben.“ Und trotzdem ertappe ich mich selbst immer wieder dabei, wie ich mich selbst an Leistungen messe. Das kann ganz harmlos anfangen mit dem Vorbereiten eines Inputs, wo ich dann schlussendlich plötzlich bemerke: es geht mir gar nicht darum, das mit meinem himmlischen Vater zu tun, sondern vor den Menschen zu brillieren.

Gottes Vaterschaft wird oft in der Bibel gezeigt. In Johannes 1,12 steht: „All denen aber, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden.“ Wenn ich also an ihn glaube, dann kann ich mich auf ihn als Vater verlassen. Ich bin sein Sohn. Als Vater verlangt er nicht von mir, dass ich gewisse Sanktionen einhalte und ihm meinen Tribut abliefere, damit ich weiterhin sein Sohn sein darf. Er wünscht sich einfach, dass er Teil von unserem Leben ist und wir mit ihm eine Freundschaft pflegen, wie man sich eine Beziehung zwischen Vater und Sohn eigentlich wünscht. Meine Identität definiert sich nicht über das, was ich sage und tue, sondern was er über mich sagt und in meinem Leben macht.

Heisst das jetzt, dass ich mir Gedanken mache, einfach nichts mehr zu machen, weil ich mich so selbstsicher fühle bei Gott? Vermutlich nicht. Oder ganz bestimmt nicht! Hier ist nämlich mein Problem zu Hause: Ich habe diese Sohnschaft, in welcher ich durch meinen Glauben an ihn eigentlich leben sollte, noch nicht wirklich ergriffen. Die gewünschte Selbstsicherheit in diesem Bewusstsein ist in mir noch nicht vorhanden, auch wenn es manchmal trotzdem diesen Anschein macht: Ich bin sicher noch nicht angekommen. Aber ich bin auf dem Weg und verfolge ein Ziel.

Jetzt habe ich eine der Fragen, welche ich aufgeworfen habe, nur kläglich beantwortet: Was mache ich nun, mit all den Dingen, in denen ich merke, dass ich sie nicht mit ihm, sondern einfach für mich selbst mache? Gewissensberuhigung sozusagen. Gewisse dieser „Beruhiger“ muss ich sicher ablegen, was ein wenig Vorarbeit verlangt, da ich meine Mitmenschen nicht einfach hängen lassen will. An anderen Dingen will ich aber dranbleiben und dafür kämpfen, dass ich wieder mit Gott zusammenarbeite und meine Beziehung zu ihm eine zentrale Stelle einnehmen kann.

Im Endeffekt bin ich davon überzeugt, dass eine gesunde Beziehung mit Gott auch exzellente Arbeitsresultate mit sich bringt. Ja von aussen mögen der Weg und das Ziel sogar genau gleich scheinen! Aber innerlich spielt sich eine andere Geschichte ab, welche sich dann auch in meinen Beziehungen zu meinen Mitmenschen, zu meiner Arbeit und zu Gott wiederspiegeln wird.

Wenn du also bereits mit diesem Gott unterwegs bist, dann fordere ich dich heraus, dir selber die Frage zu stellen, für wen du deine Arbeit tust! Tust du sie, um dein Gewissen zu beruhigen? Vielleicht, um Anerkennung von deinen Mitmenschen zu erlangen? Aus dem Bewusstsein hinaus, dass du als Christ auch etwas für Gott tun musst? Oder leistest du deinen Einsatz auf der Arbeit oder in der Gemeinde mit Gott zusammen, indem du ihn immer wieder Anteil haben lässt, ihm zuhörst und deine Sorgen aussprichst, oder einfach zwischendurch eine Auszeit nimmst, um dich wieder mit seinem Frieden füllen zu lassen?

Falls du diesen Gott noch nicht auf diese Art kennst und eigentlich gerne mehr über Gott als Vater lernen möchtest, dann melde dich bei mir und ich werde mir gerne einmal ein wenig Zeit nehmen, um bei einem Essen oder einem Kaffee zu hören, was für Fragen du zu Gott hast! Sei einfach gewarnt: Ich weiss bei weitem nicht alle Antworten! Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich wünsche mir aber, dass du Gott besser kennen lernen kannst. Für mich ist er mein bester Freund geworden und er fasziniert mich immer wieder neu.

PS: Nun ist doch wieder ein langer Eintrag entstanden…

Den Moment geniessen

Definition von Frieden nach meinem Verständnis: Nichts fehlt und nichts ist zerbrochen.

Kürzlich habe ich mich mit einem guten Freund über einen Pastor unterhalten, welcher stets voller Friede zu sein scheint. Dieser Pastor strahlt eine gewisse Souveränität aus und man fühlt sich bei ihm sicher und zu Hause. Ich habe mich gefragt, was wohl der Grund für diesen Frieden sein könnte. Ich bin dabei zu einem Schluss gekommen, welchen mein Freund und ich doch für sehr realistisch gehalten haben. Bevor ich diesen erläutere, will ich aber auf die zwei Gedanken eingehen, welche zu meiner Aussage geführt haben.

Wenn ich meinen Alltag anschaue, dann beeinflussen zwei Dinge meine Gegenwart am meisten: meine Vergangenheit und meine Sicht von der Zukunft.

Die Vergangenheit ist etwas von den wenigen Dingen, was wir nicht verändern können. Deshalb ist sie auch die grösste Quelle von Bedauern. Für viele wird dieses Bedauern zu einem Gefängnis, welches sie gefangen hält in dem, was sein könnte und dem was nicht ist. Was aber darin noch schlimmer ist, dass dieses Gefängnis eine offene Türe hat, welche vergessen geht, wenn man zu lange drin ist! Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, aber wir können alles daran setzen, dass die Gegenwart nicht so endet, wie unsere Vergangenheit.

Der zweite Aspekt ist meine Sicht von der Zukunft. Noch mehr Gefahren als die Vergangenheit birgt die Zukunft. Denn da kann alles, was noch nicht geschehen ist noch geschehen. Gutes, aber auch Schlechtes. Wenn wir uns nun vor dieser fürchten, dann verlässt uns unser Friede und was zurückbleibt ist Angst und Stress.

So, nun endlich zu meiner Aussage, welche ich zu dem erwähnten Pastor gemacht habe: Ich denke, dass er weder Reue über seine Vergangenheit hat, noch Angst vor der Zukunft.

Zu was führt eine solche Herzenshaltung? Wenn wir weder von der Vergangenheit gefangen sind, noch unsere Gedanken an die Zukunft verlieren, dann gibt es nur einen Ort, wo wir uns wiederfinden können: in der Gegenwart. Und es ist die Gegenwart, in welcher sich unser Leben abspielt. In der Gegenwart können wir unseren Freunden begegnen, neue Dinge lernen, essen, trinken, schlafen, die Welt verändern.

Ich darf immer wieder diese Momente des Friedens erleben und bin überzeugt, dass die Gegenwart immer am schönsten ist. Jetzt. Und auch jetzt. Und auch weiterhin…

Wie kannst du die Vergangenheit aufräumen und deine Sorgen über die Zukunft ablegen? Die Vergangenheit kannst du zum Beispiel mit einem Seelsorger aufarbeiten und deine Sorgen kannst du mit allen möglichen Versicherungen und finanziellen Sicherheiten mindern.

Wenn du aber bemerkst, dass das für dich keinen Frieden bewirkt, dann kann ich dir eine Beziehung mit Jesus nahe ans Herz legen! Er liebt es, dich wiederherzustellen und dir deine Verluste aus der Vergangenheit zurückzugeben. Dies mag nicht immer genau so aussehen, wie du es dir wünschst, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es noch immer meine Erwartungen übertroffen hat. Er ist es auch, der deine Sorgen tragen und deine Sicherheit sein will. Für mich persönlich übertrifft meine Beziehung mit Jesus alles, was ich sonst kenne oder auch von anderen höre. Es ist jedoch deine Entscheidung. (Unverbindliche Preisempfehlung: Dein Bedauern, deine Sorgen, und deine Ängste gegen Friede der alles Verständnis übersteigt.)

Ein bitterer Nachgeschmack

Es gibt vermutlich nicht viel, was ein Essen mehr verderben kann, als wenn es bitter ist. Ob dies von Anfang an so ist oder auch erst als Nachgeschmack, macht hier eigentlich keinen Unterschied. Bitter ist allgemein unbeliebt; es regt unsere Geschmacksknospen nur auf unangenehme Weise an.

Nun ist es aber so, dass nicht nur Essen und Getränke bitter sein können. Ich persönlich verwende zwischendurch zum Beispiel die Aussage „Das ist bitter“ um von einer Situation zu sagen, dass sie schlecht, unglücklich oder unangenehm ist. Also scheinen auch Situationen bitter zu sein!?? Das soll aber nicht das Thema sein. Heute geht es, wie nun schon öfter hier, um Menschen.

Egal ob man überzeugter Christ ist oder nicht, ich glaube nicht, dass jemand sagen kann, dass die Bibel keine praktischen Tipps für das Leben enthält. Zumindest nicht jemand, der sich ein wenig damit auskennt. Einem dieser Tipps hat sich kürzlich in meinem Leben gezeigt.

Im Hebräer 12, Vers 15 steht: „Seht zu, dass keine bittere Wurzel unter euch Fuss fassen kann, denn sonst wird sie euch zur Last werden und viele durch ihr Gift verderben.“ Hierauf stellt sich für viele vermutlich die Frage: Warum?

Dazu möchte ich kurz etwas aus meinem Leben erzählen:
Ich hatte im vergangenen Jahr eine Auseinandersetzung mit jemandem, der mehr in mein Leben hineinsprechen wollte, als ich bereit war ihm das zu erlauben. Daraus hat sich in mir drin die Situation ergeben, dass ich dieser Person gegenüber nicht mehr gerne offen war und auch nicht besonders erfreut war sie zu sehen. Während dieser Zeit habe ich bemerkt, dass durch diese Situation vor allem nur eine Person leidet, nämlich ich. Nicht dass ich mir Leid für die andere Person gewünscht habe, ich habe einfach nur bemerkt, dass ich mich selbst durch diesen inneren Konflikt ausser Gefecht gesetzt habe. Denn es gab für mich nur zwei Optionen mit dieser Person umzugehen: aus dem Weg gehen oder ihren Worten keinen Glauben zu schenken. Dich mag das vielleicht nicht besonders stören, aber ich mag solche innere Konflikte gar nicht.

Bei dieser Geschichte geht es nicht darum herauszufinden, wer nun im Recht war und wer nicht (deshalb die spärlichen Details). Es geht vielmehr darum zu sehen, was für Auswirkungen entstehen können, wenn wir an Verletzungen festhalten und dadurch innere Konflikte pflegen und fördern. Mit der Zeit kann dies sogar das Ausmass annehmen, dass es in jedem von unseren Lebensbereichen eine Person gibt, welcher wir so begegnen: in der Familie, auf der Arbeit, beim Hobby, usw. Das Problem dabei ist, dass wir dauernd im Ausweichmodus sind und mehr Energie dafür aufwenden, diesen Personen aus dem Weg zu gehen, als die Beziehung zu unseren Mitmenschen zu pflegen.

Wie auch immer, ich hatte ein Problem mit dieser Situation, weil ich solche Einstellungen in mir selbst nicht ausstehen kann. Was habe ich also getan? Ich habe es totgeschwiegen und nun nach rund einem Jahr verarbeiten können. Vorbildlich? Nein. Aber es hat geklappt! Hier vielleicht ein kleiner Tipp am Rande: Verdrängen oder totschweigen ist einfach nur kindisch und kontraproduktiv. Sprich mit der entsprechenden Person und wenn das eure Beziehung nicht zulässt, dann sprich mit einer Vertrauensperson und lass dir von ihr ins Leben reden, damit du die Situation verarbeiten kannst. Du wirst staunen, wie sich die Konflikte in dir zum Teil in Luft auflösen werden, nur weil du mit der Person darüber sprichst! (Ich selbst konnte meine Situation erst ablegen, nachdem ich ein fünfminütiges Gespräch mit einem guten Freund hatte. Dieser hat mir übrigens auch vorgeschlagen, einfach einmal auf die Person zuzugehen und ihr meinen inneren Konflikt zu schildern…)

Noch einmal zurück zum Tipp aus der Bibel, „Seht zu, dass keine bittere Wurzel unter euch Fuß fassen kann, denn sonst wird sie euch zur Last werden und viele durch ihr Gift verderben.“
Wie bei so vielen Dingen in unserem Leben haben wir nicht besonders gute Karten, wenn wir zu uns selbst sagen, „Es betrifft sowieso nur mich.“ Die Bibel schreibt es hier sehr gut, denn Bitterkeit wird „…viele durch ihr Gift verderben.“

„Viele“ schliesst zu Beginn vielleicht die Familie oder den Freundeskreis mit ein. Anschliessend deinen Arbeitsplatz oder deine Schule. Danach vielleicht ein ganzes Dorf oder eine ganze Stadt. Bitterkeit ist im Endeffekt das, was Menschen zu Monstern werden lässt, weil wir uns dann nur noch einen Dreck darum kümmern, wie es anderen geht, oder was für einen Preis sie zahlen müssen, damit ich meine Macht und meinen Reichtum habe. Ich weiss, dass das sehr schwarz gemalt ist. Das ist auch so beabsichtigt 😉

Aber! Wenn ganz viel Bitterkeit uns zu Monstern werden lässt, dann ist auch nur eine Prise Bitterkeit wohl auch nicht ganz das, was wir in unserem Leben haben wollen. Die Wahl ist dir überlassen! Ich bevorzuge es, mein Leben möglichst aufgeräumt zu halten (auch ich bin kein Meister darin. Liegt vermutlich an der fehlenden Lebenserfahrung 😉 ).

Warum nicht bitter sein? Warum solltest du anderen Personen vergeben? Weil im Endeffekt immer du der / die Leidtragende bist. Niemand ehrt dich dafür oder spricht dir seinen Dank aus. Den meisten ist es egal und deinen nahestehenden Menschen fügst du nur Schmerzen zu, weil sie dich in deinen Schmerzen sehen.

Ich habe mir vorgenommen, in Zukunft Probleme offener anzusprechen, denn totschweigen war nur anstrengend und verletzend für mich selbst.

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Man kann auch bitter werden, weil man sich selbst nicht vergibt. Wenn das du bist, dann mach reinen Tisch mit dir selbst und du wirst bemerken, dass dein Leben viel lebenswerter wird! Schnapp dir einen Freund / eine Freundin, die dir für das Anliegen Verständnis und Hilfe entgegenbringen kann und reiss die bittere Wurzel aus deinem Leben aus! Ich kann auch sehr die Hilfe von Jesus empfehlen, denn er ist definitiv ein Meister darin Probleme zu lösen. Die Wahl ist aber vollkommen dir überlassen…

Was ist Wahrheit?

Es ist schon eine ziemlich lange Zeit her, dass ich das letzte Mal etwas hier geschrieben habe. Dies hat verschiedene Gründe, auf welche ich nicht unbedingt näher eingehen will (Faulheit hat vermutlich eine grössere Rolle gespielt dabei… 😉 ). Ich will aber erwähnen, warum ich nun endlich einen Eintrag schreibe, denn es gibt vor allem einen Grund dafür: meine Mutter. Sie hat mich über die vergangenen Wochen ungefähr dreimal gefragt, wann mein nächster Blogeintrag entsteht… An dieser Stelle möchte ich mich bei dir für deine Unterstützung bedanken Mam, sonst würde ich das hier wohl noch weniger machen. Vielen Dank!

Mein Eintrag heute geht um das Thema, welches die ganze Welt in den Händen hält und die Geschehnisse steuert: die Wahrheit. Jeder von uns kann diesen Begriff definieren und einem Kind erläutern, was er bedeutet. Das klingt bei den meisten von uns vermutlich so: „Alles, was mit Fakten belegt werden kann, ist Wahrheit. Eine Lüge ist das Gegenteil von Wahrheit und entspricht nicht den Tatsachen.“

Diese Definition stellt ein Kind ziemlich sicher zufrieden und wir selbst halten auch daran fest. Wenn ich aber ehrlich bin, scheint mir diese Definition unvollständig oder sogar in sich selbst unwahr zu sein. Was ich damit nicht sagen will, ist dass ich die Formulierung inkomplett geschrieben habe, um dich in eine Falle zu locken. Diese Definition ist wirklich, was ich einem Kind sagen würde, wenn es mich nach dem Begriff Wahrheit fragen würde. Jedoch hinterfrage ich diese Definition aus dem Grund, weil er zu viele Dinge offen lässt.

Wenn ich meine Gedanken in den Nahen Osten oder in die Ukraine abschweifen lasse, dann sehe ich ziemlich klar, wie Wahrheit nach meiner Definition nur sehr zweitklassig ist: Menschen bekämpfen und töten sich, weil sie überzeugt von der Wahrheit sind, in welcher sie leben. Die einen sind davon überzeugt, dass es ihr Recht ist für ihre Wahrheit über Leichen zu gehen, genauso wie einige von uns davon überzeugt sind, dass es unser Recht ist für unsere Wahrheit auch einmal eine Lüge zu erzählen.

Jeder von uns hat seine eigene Wahrheit, eigene Überzeugungen, welche es wert sind, sein Leben darin zu investieren. Fakt ist sogar, dass es niemanden gibt, der nicht seine eigene Wahrheit lebt. Warum das? Weil wir keinen Leitfaden haben. Wir haben nichts, was uns sagt, was Wahrheit ist. Also ist alles, was für uns real ist, auch Wahrheit.

Wenn ich nun diese Dinge anschaue, meine eigene Definition und meine eigene Wahrheit, welche auf der Realität beruht, dann frage ich mich: „Ist das alles was Wahrheit zu bieten hat?“ Ich denke jeder von uns denkt an etwas Positives, wenn nicht sogar an etwas Reines, wenn wir den Begriff Wahrheit hören. Etwas Unbestreitbares, woran sich jeder festhalten kann.

Aber wie kann das sein, wenn wir uns auf uns selbst verlassen bei der Definition? Es muss eine gemeinsame, externe Quelle geben. Zum Beispiel Vereine, Kirchen und Regierungen bieten solche Quellen an in Form von Vereinsstatuten, der Bibel und dem Gesetz. Ich selbst definiere meine Wahrheit auch über die Bibel und würde sogar sagen, dass dies wahr ist, nur um damit auszusagen, dass das nicht mehr als meine eigene Wahrheit ist. Ich habe darin kein Anrecht jemandem diese, meine Wahrheit aufzudrängen.

Ich sehe aber bei den meisten Wahrheiten, wenn nicht sogar fast nur ausschliesslich einen grossen Fehler und zwar die Grundlage, auf welcher sie aufbauen. Und ich weiss nicht, wie es dir dabei geht, aber mein Herz gibt mir hier einen Hinweis. Ich habe geschrieben, dass Wahrheit eigentlich mit etwas Positivem, etwas Reinem verbunden wird. Rein und positiv sind für mich zum Beispiel Liebe, Gerechtigkeit, Friede, Freude, Treue, Freundlichkeit, usw.

Wohin will ich nun also mit meinem Eintrag? Ich will vor allem deine und meine Vorstellung von Wahrheit herausfordern. Ist meine Wahrheit wirklich Wahrheit oder nur eine Anhäufung von Fakten? Oder entspricht die Wahrheit, nach welcher ich mich ausrichte, dem, was ich auch hinter Wahrheit sehe? In meinem Fall: Löst sie Liebe, Gerechtigkeit, Friede und Freude aus, wenn sie in Kraft tritt? Kann es sogar sein, dass es Fakten in meinem Leben gibt, welche gar nicht Wahrheit sein können, weil sie Schmerzen und Trauer auslösen?

Wahrheit ist nicht immer Realität und Realität ist nicht immer Wahrheit.

Meine Frage an dich: Weisst du, was für dich Wahrheit ist und löst sie bei dir und deinem Umfeld auch wirklich das aus, was du darunter verstehst?

Angst und Kontrolle

Es ist einmal wieder Zeit für einen Blogeintrag, und was würde sich dafür besser eignen, als etwas, dass mich im Moment sowieso bewegt? Im Gegenzug werdet ihr alle nun ein Opfer meiner Verarbeitung eines Themas, dass mich seit einer Woche immer wieder beschäftigt. Deshalb: Geniesst es in vollen Zügen 😉

Aktuell bin ich dabei das Buch „Kultur der Ehre“ von Danny Silk zu lesen. Ich habe dieses Buch bereits vor etwa zwei Jahren einmal gelesen und war auf Anhieb begeistert! Da ich in meinem Dienst als „Jugendarbeiter“ mich mit dem Aufbau einer guten Kultur beschäftigen will / muss, hat es sich natürlich gut getroffen, dass dieses Buch in diesem Semester auch zu meinen Schulbüchern gehört… Aktuell bin ich auf Seite 100 von 213 und noch mehr begeistert und inspiriert als vor zwei Jahren. Das Kapitel, welches ich gerade lese, heisst „Dearly Loved Children of Light“, oder auf Deutsch „Geliebte Kinder des Lichts“. Dieses Thema ist vom Inhalt her zwar nichts Neues, aber doch eher unbekannt in der heutigen Welt, wie auch in der heutigen Kirche. Ich bin mir auch sicher, dass einige von euch den Kopf schütteln und sagen werden, „Das kann doch gar nicht funktionieren.“ Trotzdem will ich selbst mehr darüber lernen und will euch hier einmal die Grundlagen vorstellen.

Die Welt hungert nach Gerechtigkeit. Immer wieder lesen wir in der Zeitung oder hören im Fernsehen: „Hollywoodsternchen Nr. 1 ist nach Dreharbeiten durchgedreht!“, „Hollywoodsternchen Nr. 1 muss für drei Jahre ins Gefängnis.“, „Hollywoodsternchen Nr. 1 muss doch nicht ins Gefängnis!“, usw… Jeder hat seine eigene Meinung dazu, was denn nun mit Hollywoodsternchen Nr. 1 wirklich passieren soll (einige verleihen dem oft auch gerne Ausdruck während den Pausen auf der Arbeit 😉 ). Jeder hat bereits einen Urteilsspruch gefällt und würde diesen auch gerne am nächsten Morgen in der Zeitung sehen.
Das ist die Geschichte, auf welche ich nun aufbaue.

Der Skandal! Jesus stirbt für die Menschen und plötzlich sagt die Bibel nicht mehr „Auge um Auge“, sondern „Liebe deinen Nächsten“; sie sagt nicht mehr „Wer den Sonntag nicht heiligt, soll sterben“, sondern „Für die, die zu Christus gehören, gibt es keine Verurteilung mehr“. (Vielleicht sollte ich an dieser Stelle noch kurz erwähnen, dass es sich bei vielen Dingen in diesem Eintrag vor allem auch um die Einstellung von Christen handelt, welche ich persönlich in Frage stelle. Es ist natürlich nicht weiter erstaunlich, dass ich dabei gleichzeitig auch meine eigene Einstellung in Frage stelle, und mich selbst herausfordere 😉 )

Die Frage! Wie kann man den in einer Gesellschaft von Christen leben, welche zwar an Jesus glauben, aber natürlich nicht perfekt sind? Darf man den dort niemanden mehr bestrafen?
Um diese Frage unter ein neues Licht zu stellen (beantworten will ich sie hier nicht), möchte ich eine mögliche Sichtweise auf Strafen, welche aus dem Brechen von Regeln entstehen, aufzeigen. Mein Buch behauptet folgendes (in meinen Worten ausgedrückt):

Wenn Menschen unsere Regeln brechen, dann benötigen wir Strafen, um ihnen zu zeigen, wer den die Autorität hat (wer die „Hosen an hat“ 😉 ). Weshalb müssen wir den jemandem zeigen, dass wir noch die Kontrolle über sie haben? Weil wir Angst vor ihnen haben und nicht wissen, was sie sonst noch tun könnten. Deshalb bestrafen wir sie oder legen ihnen besondere Auflagen vor, an welche sie sich halten müssen, damit sie noch weiter einen Platz in unserem Leben haben können.

Stellt euch einmal vor, euer Partner würde so mit euch umgehen! „Du hast den Müll nicht rausgebracht. Jetzt wasche ich dir deine Wäsche für eine Woche nicht mehr.“, „Du hast mir gestern nicht richtig zugehört und deshalb spreche ich nun zwei Wochen nicht mehr mit dir.“, „Du hast mich heute nicht geküsst. Ich denke nicht, dass ich dir morgen etwas zu essen kochen werde.“ Lächerlich, oder? 😉
Deshalb legt Gott uns diese Regeln auch nicht mehr auf. Seit Jesus ist es nicht mehr länger „Du musst alle meine Gebote und Gesetze einhalten!“, sondern „Du kannst machen was du willst. Aber wenn du mich lieben willst, dann gibt es ganz konkrete und einfache Wege. Befolge meine Gebote, denn sonst verletzt du mich. Wenn du aber trotzdem eines meiner Gebote brichst, dann weisst du, dass ich immer mit offenen Armen dastehe und erwarte, dass du wieder zu mir zurück kommst.“ (eine lange, aber hoffentlich verständliche Erklärung der Sicht Gottes auf uns Menschen 😉 ).

Ich denke nun habe ich das Thema genug aufgebaut. Ich lerne aus der Bibel, dass ich Gott nachahmen sollen. Wenn nun also Gott mich nicht mehr verurteilt und mir keine Sanktionen auferlegt, wieso mache ich das mit anderen Leuten? Meist sogar mit Menschen, die mir eigentlich viel bedeuten? Die Antwort hierauf ist einfach: Ich habe Angst vor ihnen, weil ich sie nicht genug liebe, um ihnen zu vertrauen. Dies ist für mich persönlich eine harte Botschaft, da ich gerade vor ein paar Tagen mit so einer Situation konfrontiert wurde. Gott aber hat keine Angst vor den Menschen, weder vor mir, noch vor dir. Deshalb legt er uns keine Sanktionen auf!

Dies alles hat mich zu ein paar einfachen Gedanken geführt: Wo lasse ich mich von Angst kontrollieren? Wo kontrolliere ich Menschen, weil ich sie nicht wirklich liebe?

Hier meine vermutlich überraschende, aber ganz konkrete Frage an dich: Wo legst du dir selbst Strafen auf, um dir zu beweisen, dass du noch die Kontrolle in deinem Leben hast? Wo hast du verlernt dich zu lieben und dir selbst zu vertrauen?

 

PS: Vielen Dank, dass du dir meinen Verarbeitungs-Blogeintrag angetan hast 😉 Falls du noch Fragen hast, dann kannst du gerne persönlich auf mich zukommen oder mir über das Kontaktformular (welches bis jetzt noch niemand verwendet hat, *sniff* 🙁 ) oben eine Nachricht schicken! Anmerkungen sind auch herzlich willkommen 😀