Kiffen macht gleichgültig…

…Mir doch egal!

Diesen Witz hat mir vor kurzem ein Freund erzählt. Interessanterweise kann ich bei dieser Aussage sehr gut mitreden. Nicht etwa, weil ich kiffe, sondern schon viel eher, weil ich oft eine Gleichgültigkeit in meinem Leben entdecke. Um genau zu sein, sehe ich diese Gleichgültigkeit nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen anderen Menschen. Deshalb lohnt es sich auch, dieses Thema anzuschneiden.

Gleichgültigkeit (auch Indifferenz) bezeichnet einen Wesenszug des Menschen, welcher Gegebenheiten und Ereignisse hinnimmt, ohne diese zu werten, sich dafür zu interessieren, sich ein moralisches Urteil darüber zu bilden oder handelnd aktiv zu werden, um diese zu ändern.“ – Wikipedia (26. Juli 2014)

Bei Gleichgültigkeit handelt es sich nicht um Ignoranz, sondern darum eine Information zu erfassen und diese ohne weitere Gedanken zu speichern und abzuhaken. Wenn ich zum Beispiel das Thema Geld erwähne, dann hat sicher jeder einen Bezug dazu und kann mir viele Dinge dazu erzählen. Wenn ich dann aber zum Beispiel das Thema Menschenhandel erwähne, dann weiss vermutlich nur eine Minderheit etwas dazu zu sagen. Trotzdem betrifft es uns alle: es wird auch in der Schweiz Menschenhandel betrieben und viele der pornographischen Inhalte auf dem Internet haben Darsteller, welche durch den Menschenhandel in dieses Geschäft gelangt sind. Nun, das Thema soll nicht Menschenhandel sein, sondern dieses Beispiel soll helfen etwas zu veranschaulichen.

Oft geschehen Dinge um uns herum, welche uns nur wenig bewegen, aber uns vermutlich mehr berühren sollten. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass ich diese Sätze über den Menschenhandel ziemlich nüchtern behandeln konnte. Wenn ich es aber genau überlege und einmal auch nur kurz hinschaue, dann bemerke ich, dass Menschen wie Ware behandelt werden, zum Teil werden sie gefoltert, gehalten wie Tiere, aus ihrem Land mit einem „Jobangebot“ in ein wohlhabendes Land gelockt und dort verkauft. Deshalb frage ich mich: Sollte mich das wirklich gar nicht bewegen?

Bevor ich aber weiter eintauche, möchte ich auch die positive Seite erwähnen, welche die Gleichgültigkeit hat. Ich denke nicht, dass dieser Begriff unbedingt nur negativ behaftet sein muss. Es kann uns zum Beispiel enorm auf die Psyche schlagen, wenn wir alles an unser Herz heranlassen. Wir müssen uns gewissermassen vor der Informationsflut und dem damit verbundenen emotionalen Aufwand schützen. Das ist nicht falsch und in der heutigen Zeit vermutlich sogar notwendig.

Zurück zu der negativen Seite. Da ich meist nicht einfach ein Thema in mir wälze und nach ein-, zwei Tagen wieder abschliesse, habe ich schon mit verschiedenen Personen darüber gesprochen. An meinem Geburtstag zum Beispiel war das Thema, vereinfacht formuliert, „Lehrlinge in unserem Arbeitsumfeld“. Die Aussage war, „Der Lehrling interessiert sich gar nicht dafür einen guten Job zu machen. Er denkt nicht selbständig und es muss ihm immer alles gesagt werden.“ Es ist anscheinend für den Lehrling kein Thema beruflichen Erfolg zu haben. Dies mag in gewissen Kulturen funktionieren, aber nicht bei uns in der Schweiz. Wer nicht leistet, verliert seine soziale Stellung. Dies scheint aber nicht ganz registriert zu sein beim Lehrling.

Die Frage ist natürlich, woher kommt diese „Ist mir egal“-Einstellung? Ich denke, dass es zu einem Grossteil mit der Erziehung zusammenhängt. Wenn die Eltern kulturell wichtige Werte nicht prägen, dann wird das Leben auch nicht davon bestimmt werden. Aber das ist nur die offensichtliche Seite, die Seite, welche wir als Erklärung nutzen können, für Kinder welche „vom Fernseher“ erzogen wurden oder auch sonst keine tolle Erziehung erleben durften.

Die zweite, weniger auffällige Seite ist, dass man gewissen Dingen gegenüber abgehärtet ist, oder dass gewisse Dinge kulturell akzeptierter sind. Ich persönlich vertrete zum Beispiel die Ansicht, dass regelmässiger Konsum von Pornographie unsere Gedanken verstümmelt und wir in Beziehungen gewisse Werte verdreht sehen. Stichworte sind zum Beispiel: Intimität, eine Beziehung reparieren, gute Freundschaften zum anderen Geschlecht ohne regelmässige Hintergedanken pflegen, etc.  Aber Pornographiekonsum ist quer durchs Band überall anzutreffen (ob nun inner- oder ausserhalb der Kirche). Wenn nun meine Liste von Stichworten wirklich etwas zu bedeuten hat, dann haben wir hier ein kulturell akzeptiertes Problem, welches gar nicht mehr als solches identifiziert wird. Falls meine Argumentation nicht stimmt, dann freut euch! Die Gesellschaft spiegelt aber in der Regel etwas anderes wieder.

Wenn wir zurück auf den Menschenhandel schauen, dann existieren aber auch Probleme, welche schlicht und einfach von vielen Menschen nicht thematisiert werden. Die Politik und die Wirtschaft müssen sich darum kümmern, dass das Geld in unserem Land bewegt wird, sie haben keine Zeit für andere Themen. Der Unterhaltungssektor kann zum Teil sogar vom Menschenhandel profitieren! Und von den Familien ist das Problem so weit entfernt, dass es sowieso nur in Thailand ein Thema ist (wo es wirklich ein riesiges Problem ist!). Die ganze Gesellschaft ist hier einem Thema gegenüber gleichgültig geworden und wir haben uns dem Trend angepasst.

Fazit: Wir haben in unserem Leben Dinge, welche uns nicht bewegen und das ist auch gut so. Oftmals bewegen uns Dinge aber auch nicht, wenn sie es trotzdem sollten. Die Folge davon ist, dass die Gesellschaft schleichend mit Werten geprägt wird, welche auf uns persönlich, auf unser Umfeld und auch auf Menschen ausserhalb unserer Kultur negative Auswirkungen haben.

Gibt es Dinge in deinem Leben, wo du eventuell mehr hinschauen solltest? Denn du kannst mit deinem Verhalten trotz allem negativen Wandel einen positiven Einfluss auf deine Umgebung nehmen. Wo gibt es Gleichgültigkeit in deinem Leben? Bist du bereit diese zu suchen, oder ist dir das einfach „egal“? 😉