Entschleunigen

Seit längerem begegnet mir der Begriff „entschleunigen“ immer wieder. Für alle, die sich fragen, was das bedeutet: Es ist das Gegenteil von beschleunigen. Was aber eigentlich auch nicht ganz stimmt, denn das wäre ja bremsen. Wie auch immer, entschleunigen bedeutet langsamer werden.

Nun, wieso sollte denn jemand ein Interesse daran haben, seinen Schwung zu verlieren? Schliesslich läuft in unserer Welt soviel, dass ein Bremsen uns unweigerlich aufhaltet und im Alltag behindert! Deshalb: Entschleunigen scheint mir eine schlechte Idee zu sein.

Hier meine Argumentation zu diesem Thema:
Wer nicht ohne Weiteres in seinem Leben einmal eine Pause einlegen kann, ist leider über der Maximalgeschwindigkeit und bewegt sich unweigerlich auf einen Unfall zu. Dieses Phänomen taucht vor allem deshalb in unseren Leben auf, weil wir immer mehr in unser Leben aufnehmen müssen. Fokus ist kein Thema mehr. Die Informationsflut stürmt auf uns ein durch eine 20min Zeitung am Morgen, die Radionachrichten am Mittag, der Blick am Abend auf dem Weg nach Hause und am Abend die Nachrichten im Fernsehen. Unsere Reize sind konstant ausgelastet und unsere Gedanken bewegen sich immer mehr in (zu) vielen verschiedenen Bereichen.

Ich will hier nicht sagen, dass auf dem Laufenden sein falsch ist. Man kann es aber übertreiben und verliert dann seinen Fokus auf das Wesentliche. Jeder, der in seinem Leben etwas grosses erreicht hat, wird sagen: Wer etwas erreichen will, muss seinen Fokus auf das Ziel richten. Aber dass dieser Fokus verloren geht durch viel, was wir in unserer Freizeit machen, verstehen wir meist nicht. Wir müssen lernen, in unserer Freizeit Dinge zu tun, welche uns helfen, wieder neue Kraft für unseren Fokus zu tanken. Und um das zu tun, müssen wir eben entschleunigen. Dies kann durch verschiedene Dinge gemacht werden: Ein Mittagsschlaf, das Einplanen von mehr Zeit für unsere Aufgaben, ein Treffen mit Freunden zum gemeinsamen Austausch, nach dem Essen länger sitzen bleiben, eine Stunde weniger fernsehen, etc.

Entschleunigen bedeutet auch geniessen. Geniessen von allem dem, was wir machen. Das geht nicht im Stress, deshalb: Slow down!