Eine Frage der Ehre

Vor etwa drei Wochen hatte ich ein gutes Gespräch mit einem meiner besten Freunde. Das Thema war, ob ich eine Arbeit übernehmen würde, für welche nur er oder ich in Frage kommen können. Im Gegensatz zu ihm habe ich aber mehr Zeit, welche nicht schon mit anderen Verantwortungen gefüllt ist und er selbst hatte keine Möglichkeit, diese Aufgabe noch zu übernehmen. Dies bedeutete: entweder ich mache es, oder niemand macht es.

Hier wurde es nun spannend, denn ich hatte null Interesse daran, mich damit zu beschäftigen. An sich selber war die Aufgabe selbst interessant, aber etwas sträubte sich in mir, meine Zeit dafür zu investieren. Da wir beide aber interessiert daran waren, was mich wohl hier zurückhält, haben wir uns in einem etwa 45-minütigen Gespräch auf die Suche nach meinem Problem gemacht. Am Schluss zeigte sich dann, was wirklich hinter meiner Einstellung steckte:

Ich fühlte mich zu wenig wertgeschätzt für das, was ich tat.

Das mag vielleicht ein wenig einfältig und kindisch klingen, aus diesem Grund eine Aufgabe abzulehnen, aber ich bin überzeugt, dass hier etwas Wichtiges dahinter steckt. Eine Aussage, welche mein Freund gemacht hat, war:

Es ist schön, wenn Leute die Wertschätzung für etwas aussprechen, das wir machen. Es ist aber etwas völlig anderes, wenn das jemand tut, der wirklich weiss, was alles investiert werden muss.

Ich denke wir alle strecken uns nach der Anerkennung von einer Person aus, welche weiss, welche Mühen eine bestimmte Aufgabe mit sich bringen kann. Und gerade weil wir uns selbst danach ausstrecken, sollten wir verstehen, dass unsere Mitmenschen das auch tun. Daraus wiederum können wir die Lehre ziehen, dass wir uns selbst mehr darauf konzentrieren sollten, Menschen Anerkennung zu schenken, für das, was sie tun. Wir sollten uns mehr bemühen, unsere Mitmenschen zu ehren.

Seit diesem Gespräch achte ich immer mehr darauf, ein ernst gemeintes „Danke.“ oder „Gut gemacht!“ meinen Freunden und Mitarbeiter weiterzugeben. Dies tue ich um sie aufzubauen, aber auch in der Hoffnung, dass sie es selbst lernen und andere auch wieder stärken können. Und als Teamleiter bietet sich sogar die geniale Möglichkeit an, einen Event für die Mitarbeiter als Dankeschön zu organisieren (etwas, was ich in Zukunft sicher machen werde!). Wie schön wäre es, wenn wir nicht länger nur noch arbeiten gehen, weil wir Ende Monat den Lohn benötigen, sondern auch, weil wir unseren Mitarbeitern dankbar für ihre Unterstützung sind und uns auf die gute Atmosphäre freuen, wo wir einander ganz einfach ermutigen, bestärken und ehren in dem was wir tun!

Mein Freund und ich sind nach dieser Erkenntnis zum Beschluss gekommen, das wir diese Einstellung der Ehre fördern möchten und wir haben der Undankbarkeit den Kampf angesagt. Die Aufgabe habe ich dann am Schluss angenommen im Wissen, dass es für uns beide eine Chance ist, einander zu ehren und in unserem Entschluss zu wachsen.