Budumm, budumm… Budumm, budumm…

Das Herz ist für uns das wohl wichtigste Organ (mal ganz abgesehen vom Hirn, der Lung, dem Magen, der Nieren, dem Darm, etc…). Es pumpt das Blut durch unseren ganzen Körper, welcher dadurch mit entsprechenden Nährstoffen versorgt wird.

Das Herz ist aber auch ein Zeichen, welches vielmals für die Liebe verwendet wird. Wenn jemand das Wort ‘Herz’ sagt, dann haben wohl die wenigsten von uns das Bild des Organs vor Augen, sondern ein rotes Objekt, aufgebaut aus einem Dreieck und zwei Halbkreisen.

Im Rahmen meines Studiums hatte ich die grossartige Möglichkeit ein wenig zu erforschen, was den das Herz in einer anderen Kultur bedeutet. Dabei handelt es sich um das Herz im hebräischen Sinn.

Hier ein Auszug aus einer Arbeit, welche ich geschrieben habe:

„Das Wort kardia ist das griechische Wort für Herz. Es ist das körperliche Organ und dadurch Sitz der Kraft und des leiblichen Lebens. Gleichzeitig wird es aber auch als die Mitte des geistig-seelischen Lebens bezeichnet, welches es als Ort der Empfindungen, Sitz des Verstandes und der Erkenntnis, und als Ort des freien Willens kennzeichnet (vgl. Sorg 1993: 681). Weiter schreibt Sorg über das Herz (1993: 682): ‘Seine zentrale Bedeutung gewinnt καρδίᾳ [kardia] im NT, wenn es dort auftaucht, wo die Stellung des Menschen vor Gott zur Sprache kommt. καρδίᾳ [kardia] ist die Stelle im Menschen, an die sich Gott wendet. Sie ist der Ort des Zweifels und der Verstockung, wie auch des Glaubens und des Gehorsams.’. Laut Sand (1992: 616) ‘kommt ἐκ καρδίᾳ [aus dem Herzen] die Kraft des Glaubens […]’.“

Was will ich denn nun mit diesem mehr oder weniger interessanten anatomischen / psychologischen Text denn nun genau? In meinem Beitrag Eine Frage der Ehre habe ich geschrieben, dass wir uns alle nach Anerkennung ausstrecken. Ich denke dass dieses Thema hier einen grossen Zusammenhang damit hat. Wir wollen nicht nur anerkannt werden, für das was wir machen, sondern auch dafür, wer wir sind.

Der Wunsch für Anerkennung unserer Person ist ein Wunsch danach, dass unser Herz von jemandem verstanden wird. Da das Wort „Herz“ aber von uns als Organ oder geometrische Figur wahrgenommen wird, möchte ich meine Gedanken aus meiner Arbeit hier ein wenig auf ein normales Deutsch übersetzen und darlegen.

Um ein Herz zu verstehen, müssen wir verstehen, dass…

  • …unsere Mitmenschen Lebewesen mit einem leiblichen Körper sind. Wer müde ist oder Hunger hat möchte eventuell nicht einen Marathon bestreiten.
  • …die geistig-seelische Tiefe einer Person erkannt werden muss. Oberflächlichkeit ist ein Wort, welches hier ein ausgeprägtes Gegenteil darstellt.
  • …das Gegenüber Gefühle hat. Wir müssen entsprechend auf diese reagieren, zweitweise auch unabhängig von unserer persönlichen Meinung.
  • …andere auch etwas wissen und deshalb auch ein Recht haben, ihre Meinung zu äussern.
  • …wir den freien Willen anderer akzeptieren müssen. Dies soll nicht heissen, dass wir alle Handlungen gutheissen, sondern dass wir es anderen auch zutrauen selbst Entscheidungen zu treffen.
  • …hier über Gehorsam oder Ungehorsam entschieden wird. Wenn sich jemand falsch verhaltet, dann hat er dies in seinem Herzen entschlossen und dann danach gehandelt. Die Wurzeln sind im Herzen meist verstrickt in all den anderen Punkten dieser Liste; die Handlung ist nur noch als Baumwipfel zu erkennen.
  • …die Kraft des Glaubens hier entspringt. Der Glauben durch das genährt, was im Herzen ist.

Ich bin begeistert von all diesen Punkten, muss aber sagen, dass es doch nicht gerade einfach ist, all diese Dinge wirklich zu verstehen und immer daran zu denken. Aber ich möchte niemanden einfach so in diese Aufgabe hineinschicken, ohne den entsprechenden Schlüssel preiszugeben. Leider ist er nur ziemlich teuer zu erkaufen, aber die Investition ist es absolut wert. Die Rede ist von Zeit. Unser wahrscheinlich wertvollstes Gut.

Bist du bereit, diesen Preis zu zahlen?

Einen Menschen zu haben, von dem man verstanden wird, ist enorm wertvoll. Wenn sich beide das Herz des anderen verstehen, dann ist das noch viel wertvoller, denn dies bedeutet, einen Freund fürs Leben gefunden zu haben. Eine solche Beziehung ist durch nichts zu ersetzen.

Eine Frage der Ehre

Vor etwa drei Wochen hatte ich ein gutes Gespräch mit einem meiner besten Freunde. Das Thema war, ob ich eine Arbeit übernehmen würde, für welche nur er oder ich in Frage kommen können. Im Gegensatz zu ihm habe ich aber mehr Zeit, welche nicht schon mit anderen Verantwortungen gefüllt ist und er selbst hatte keine Möglichkeit, diese Aufgabe noch zu übernehmen. Dies bedeutete: entweder ich mache es, oder niemand macht es.

Hier wurde es nun spannend, denn ich hatte null Interesse daran, mich damit zu beschäftigen. An sich selber war die Aufgabe selbst interessant, aber etwas sträubte sich in mir, meine Zeit dafür zu investieren. Da wir beide aber interessiert daran waren, was mich wohl hier zurückhält, haben wir uns in einem etwa 45-minütigen Gespräch auf die Suche nach meinem Problem gemacht. Am Schluss zeigte sich dann, was wirklich hinter meiner Einstellung steckte:

Ich fühlte mich zu wenig wertgeschätzt für das, was ich tat.

Das mag vielleicht ein wenig einfältig und kindisch klingen, aus diesem Grund eine Aufgabe abzulehnen, aber ich bin überzeugt, dass hier etwas Wichtiges dahinter steckt. Eine Aussage, welche mein Freund gemacht hat, war:

Es ist schön, wenn Leute die Wertschätzung für etwas aussprechen, das wir machen. Es ist aber etwas völlig anderes, wenn das jemand tut, der wirklich weiss, was alles investiert werden muss.

Ich denke wir alle strecken uns nach der Anerkennung von einer Person aus, welche weiss, welche Mühen eine bestimmte Aufgabe mit sich bringen kann. Und gerade weil wir uns selbst danach ausstrecken, sollten wir verstehen, dass unsere Mitmenschen das auch tun. Daraus wiederum können wir die Lehre ziehen, dass wir uns selbst mehr darauf konzentrieren sollten, Menschen Anerkennung zu schenken, für das, was sie tun. Wir sollten uns mehr bemühen, unsere Mitmenschen zu ehren.

Seit diesem Gespräch achte ich immer mehr darauf, ein ernst gemeintes „Danke.“ oder „Gut gemacht!“ meinen Freunden und Mitarbeiter weiterzugeben. Dies tue ich um sie aufzubauen, aber auch in der Hoffnung, dass sie es selbst lernen und andere auch wieder stärken können. Und als Teamleiter bietet sich sogar die geniale Möglichkeit an, einen Event für die Mitarbeiter als Dankeschön zu organisieren (etwas, was ich in Zukunft sicher machen werde!). Wie schön wäre es, wenn wir nicht länger nur noch arbeiten gehen, weil wir Ende Monat den Lohn benötigen, sondern auch, weil wir unseren Mitarbeitern dankbar für ihre Unterstützung sind und uns auf die gute Atmosphäre freuen, wo wir einander ganz einfach ermutigen, bestärken und ehren in dem was wir tun!

Mein Freund und ich sind nach dieser Erkenntnis zum Beschluss gekommen, das wir diese Einstellung der Ehre fördern möchten und wir haben der Undankbarkeit den Kampf angesagt. Die Aufgabe habe ich dann am Schluss angenommen im Wissen, dass es für uns beide eine Chance ist, einander zu ehren und in unserem Entschluss zu wachsen.