Gott ist ein Egoist

Ich weiss nicht, ob du dir das schon jemals überlegt hast. Wenn du nichts mit dem Christentum am Hut hast, dann ist dir das vielleicht noch nicht einmal aufgefallen. Wenn ich die Bibel lese, dann habe ich das Gefühl, dass Gott der grösste Egoist ist, den es gibt.

Bereits im zweiten Buch in der Bibel (in 2. Mose 34,14) wird Gott als „der Eifersüchtige“ bezeichnet. Es steht auch im hinteren Teil der Bibel, im 2. Thessalonicherbrief 1,8, dass er wie ein vernichtendes Feuer über diejenigen richten wird, die ihm nicht gehorsam sind. Wie ein kleines Kind macht er kaputt, was nicht nach seinem Willen funktioniert.

Steht das nicht in einem Widerspruch dazu, dass Gott Liebe sein soll (Bibel: 1. Johannes 4,8)? Wenn meine Partnerin egoistisch ist, dann fühle ich mich nicht gerade besonders geliebt. Erst recht nicht, wenn sie mir plötzlich mit einer Strafe droht, falls ich nicht das tue, was sie gerne hätte. Liebe sieht anders aus.

 

Verlassen wir kurz diesen Rahmen, raus aus dem Konflikt von Egoismus und Liebe:
Was wäre, wenn Gott wirklich alles weiss, über alles die Macht hat, und sich wünschen würde, dass es uns gut geht? Oder noch einfacher: Was wäre, wenn ich als Vater genau weiss, dass es für mein Kind das Beste ist in meiner Nähe zu bleiben, wo es meine Stimme hören kann? Zum Beispiel in einer gefährlichen Situation, welche mein Kind nicht einschätzen kann. Ich würde von meinem Kind verlangen, dass es auf jede meiner Anweisungen hört.

Deshalb, noch einmal: Was wäre, wenn Gott wirklich alles weiss, über alles die Macht hat, und sich wünschen würde, dass es uns gut geht? Er würde von dir und von mir verlangen, dass wir genau auf seine Stimme hören. Besonders dann, wenn wir uns in einer Situation aufhalten, welche gefährlich ist. Und lass uns ehrlich zu uns selbst sein: Die Welt ist kein sicherer Ort. Es gibt Krankheit, Mord, Betrug, Hass, und vieles mehr wovor wir uns nicht verstecken können. Wir brauchen Schutz und den will Gott uns in diesen und auch in allen anderen Dingen geben.

 

Schluss mit dem Exkurs, zurück zu unserem egoistischen Gott. Es scheint also möglich zu sein, dass er unseren Gehorsam will, nicht um seinetwillen, sondern um unseretwillen.  Gott zu gehorchen bedeutet nicht nur, ihn zu lieben und uns selbst zu vernachlässigen. Indem du Gott gehorsam bist, liebst du auch dich selbst. Und da Gott nicht nur dich, sondern zum Glück auch mich liebt, wird sein egoistischer Wunsch nach deinem Gehorsam mir sicher nicht schaden. Im Gegenteil: In deinem Gehorsam Gott gegenüber liebst du dann nicht nur Gott und dich selbst, sondern auch mich und alle deine Mitmenschen!

Dreht sich Gottes Eifersucht und Egoismus deshalb um ihn selbst? Ich denke du kennst die Antwort: Es dreht sich um dich, um mich, und schlussendlich auch um ihn.

Solltest du dich jetzt darauf fokussieren, immer gehorsam zu sein? Das wäre ein guter Ansatz, aber leider ist das nicht möglich. Die Regeln sind zu eng gesteckt. Ich selbst mache immer wieder Fehltritte, in welchen ich den Rahmen missachte, welchen Gott mir gegeben hat. Was geschieht in solchen Momenten? Ich höre auf, Gott, mich selbst und andere zu lieben. Was geschieht dort, wo keine Liebe ist? Wir verletzen einander.

Gott wäre aber nicht Gott, wenn er dafür nicht eine Lösung bereithält. Schliesslich hat er ja Ahnung von Alles und auch die entsprechende Kraft dazu. Seine Antwort an uns hat er durch Jesus geschickt, wie in der Bibel beschrieben. Dieser Jesus soll derjenige sein, der diese Momente heilen lässt, in welchen wir aus der Liebe hinaustreten und andere verletzen. Und wieso hat Gott dies getan? Damit wir auch wieder motiviert sind, ihm gehorsam zu sein. Seine egoistische Natur schlägt auch hier wieder durch.

Lass mich dir zum Schluss aber noch eine Frage stellen: Was machst du, wenn du nicht liebst, dich selbst oder andere verletzt? Ob gläubig oder nicht, ich denke, dass du dich nach Wiederherstellung sehnst. Und vielleicht musst du auch zugeben, dass der Egoismus Gottes (falls es ihn wirklich geben soll) sein grösster Ausdruck der Liebe uns gegenüber ist. Denn dadurch wurde uns ermöglicht, dass wir Wiederherstellung erleben.

Angst und Kontrolle

Es ist einmal wieder Zeit für einen Blogeintrag, und was würde sich dafür besser eignen, als etwas, dass mich im Moment sowieso bewegt? Im Gegenzug werdet ihr alle nun ein Opfer meiner Verarbeitung eines Themas, dass mich seit einer Woche immer wieder beschäftigt. Deshalb: Geniesst es in vollen Zügen 😉

Aktuell bin ich dabei das Buch „Kultur der Ehre“ von Danny Silk zu lesen. Ich habe dieses Buch bereits vor etwa zwei Jahren einmal gelesen und war auf Anhieb begeistert! Da ich in meinem Dienst als „Jugendarbeiter“ mich mit dem Aufbau einer guten Kultur beschäftigen will / muss, hat es sich natürlich gut getroffen, dass dieses Buch in diesem Semester auch zu meinen Schulbüchern gehört… Aktuell bin ich auf Seite 100 von 213 und noch mehr begeistert und inspiriert als vor zwei Jahren. Das Kapitel, welches ich gerade lese, heisst „Dearly Loved Children of Light“, oder auf Deutsch „Geliebte Kinder des Lichts“. Dieses Thema ist vom Inhalt her zwar nichts Neues, aber doch eher unbekannt in der heutigen Welt, wie auch in der heutigen Kirche. Ich bin mir auch sicher, dass einige von euch den Kopf schütteln und sagen werden, „Das kann doch gar nicht funktionieren.“ Trotzdem will ich selbst mehr darüber lernen und will euch hier einmal die Grundlagen vorstellen.

Die Welt hungert nach Gerechtigkeit. Immer wieder lesen wir in der Zeitung oder hören im Fernsehen: „Hollywoodsternchen Nr. 1 ist nach Dreharbeiten durchgedreht!“, „Hollywoodsternchen Nr. 1 muss für drei Jahre ins Gefängnis.“, „Hollywoodsternchen Nr. 1 muss doch nicht ins Gefängnis!“, usw… Jeder hat seine eigene Meinung dazu, was denn nun mit Hollywoodsternchen Nr. 1 wirklich passieren soll (einige verleihen dem oft auch gerne Ausdruck während den Pausen auf der Arbeit 😉 ). Jeder hat bereits einen Urteilsspruch gefällt und würde diesen auch gerne am nächsten Morgen in der Zeitung sehen.
Das ist die Geschichte, auf welche ich nun aufbaue.

Der Skandal! Jesus stirbt für die Menschen und plötzlich sagt die Bibel nicht mehr „Auge um Auge“, sondern „Liebe deinen Nächsten“; sie sagt nicht mehr „Wer den Sonntag nicht heiligt, soll sterben“, sondern „Für die, die zu Christus gehören, gibt es keine Verurteilung mehr“. (Vielleicht sollte ich an dieser Stelle noch kurz erwähnen, dass es sich bei vielen Dingen in diesem Eintrag vor allem auch um die Einstellung von Christen handelt, welche ich persönlich in Frage stelle. Es ist natürlich nicht weiter erstaunlich, dass ich dabei gleichzeitig auch meine eigene Einstellung in Frage stelle, und mich selbst herausfordere 😉 )

Die Frage! Wie kann man den in einer Gesellschaft von Christen leben, welche zwar an Jesus glauben, aber natürlich nicht perfekt sind? Darf man den dort niemanden mehr bestrafen?
Um diese Frage unter ein neues Licht zu stellen (beantworten will ich sie hier nicht), möchte ich eine mögliche Sichtweise auf Strafen, welche aus dem Brechen von Regeln entstehen, aufzeigen. Mein Buch behauptet folgendes (in meinen Worten ausgedrückt):

Wenn Menschen unsere Regeln brechen, dann benötigen wir Strafen, um ihnen zu zeigen, wer den die Autorität hat (wer die „Hosen an hat“ 😉 ). Weshalb müssen wir den jemandem zeigen, dass wir noch die Kontrolle über sie haben? Weil wir Angst vor ihnen haben und nicht wissen, was sie sonst noch tun könnten. Deshalb bestrafen wir sie oder legen ihnen besondere Auflagen vor, an welche sie sich halten müssen, damit sie noch weiter einen Platz in unserem Leben haben können.

Stellt euch einmal vor, euer Partner würde so mit euch umgehen! „Du hast den Müll nicht rausgebracht. Jetzt wasche ich dir deine Wäsche für eine Woche nicht mehr.“, „Du hast mir gestern nicht richtig zugehört und deshalb spreche ich nun zwei Wochen nicht mehr mit dir.“, „Du hast mich heute nicht geküsst. Ich denke nicht, dass ich dir morgen etwas zu essen kochen werde.“ Lächerlich, oder? 😉
Deshalb legt Gott uns diese Regeln auch nicht mehr auf. Seit Jesus ist es nicht mehr länger „Du musst alle meine Gebote und Gesetze einhalten!“, sondern „Du kannst machen was du willst. Aber wenn du mich lieben willst, dann gibt es ganz konkrete und einfache Wege. Befolge meine Gebote, denn sonst verletzt du mich. Wenn du aber trotzdem eines meiner Gebote brichst, dann weisst du, dass ich immer mit offenen Armen dastehe und erwarte, dass du wieder zu mir zurück kommst.“ (eine lange, aber hoffentlich verständliche Erklärung der Sicht Gottes auf uns Menschen 😉 ).

Ich denke nun habe ich das Thema genug aufgebaut. Ich lerne aus der Bibel, dass ich Gott nachahmen sollen. Wenn nun also Gott mich nicht mehr verurteilt und mir keine Sanktionen auferlegt, wieso mache ich das mit anderen Leuten? Meist sogar mit Menschen, die mir eigentlich viel bedeuten? Die Antwort hierauf ist einfach: Ich habe Angst vor ihnen, weil ich sie nicht genug liebe, um ihnen zu vertrauen. Dies ist für mich persönlich eine harte Botschaft, da ich gerade vor ein paar Tagen mit so einer Situation konfrontiert wurde. Gott aber hat keine Angst vor den Menschen, weder vor mir, noch vor dir. Deshalb legt er uns keine Sanktionen auf!

Dies alles hat mich zu ein paar einfachen Gedanken geführt: Wo lasse ich mich von Angst kontrollieren? Wo kontrolliere ich Menschen, weil ich sie nicht wirklich liebe?

Hier meine vermutlich überraschende, aber ganz konkrete Frage an dich: Wo legst du dir selbst Strafen auf, um dir zu beweisen, dass du noch die Kontrolle in deinem Leben hast? Wo hast du verlernt dich zu lieben und dir selbst zu vertrauen?

 

PS: Vielen Dank, dass du dir meinen Verarbeitungs-Blogeintrag angetan hast 😉 Falls du noch Fragen hast, dann kannst du gerne persönlich auf mich zukommen oder mir über das Kontaktformular (welches bis jetzt noch niemand verwendet hat, *sniff* 🙁 ) oben eine Nachricht schicken! Anmerkungen sind auch herzlich willkommen 😀