Ein bitterer Nachgeschmack

Es gibt vermutlich nicht viel, was ein Essen mehr verderben kann, als wenn es bitter ist. Ob dies von Anfang an so ist oder auch erst als Nachgeschmack, macht hier eigentlich keinen Unterschied. Bitter ist allgemein unbeliebt; es regt unsere Geschmacksknospen nur auf unangenehme Weise an.

Nun ist es aber so, dass nicht nur Essen und Getränke bitter sein können. Ich persönlich verwende zwischendurch zum Beispiel die Aussage „Das ist bitter“ um von einer Situation zu sagen, dass sie schlecht, unglücklich oder unangenehm ist. Also scheinen auch Situationen bitter zu sein!?? Das soll aber nicht das Thema sein. Heute geht es, wie nun schon öfter hier, um Menschen.

Egal ob man überzeugter Christ ist oder nicht, ich glaube nicht, dass jemand sagen kann, dass die Bibel keine praktischen Tipps für das Leben enthält. Zumindest nicht jemand, der sich ein wenig damit auskennt. Einem dieser Tipps hat sich kürzlich in meinem Leben gezeigt.

Im Hebräer 12, Vers 15 steht: „Seht zu, dass keine bittere Wurzel unter euch Fuss fassen kann, denn sonst wird sie euch zur Last werden und viele durch ihr Gift verderben.“ Hierauf stellt sich für viele vermutlich die Frage: Warum?

Dazu möchte ich kurz etwas aus meinem Leben erzählen:
Ich hatte im vergangenen Jahr eine Auseinandersetzung mit jemandem, der mehr in mein Leben hineinsprechen wollte, als ich bereit war ihm das zu erlauben. Daraus hat sich in mir drin die Situation ergeben, dass ich dieser Person gegenüber nicht mehr gerne offen war und auch nicht besonders erfreut war sie zu sehen. Während dieser Zeit habe ich bemerkt, dass durch diese Situation vor allem nur eine Person leidet, nämlich ich. Nicht dass ich mir Leid für die andere Person gewünscht habe, ich habe einfach nur bemerkt, dass ich mich selbst durch diesen inneren Konflikt ausser Gefecht gesetzt habe. Denn es gab für mich nur zwei Optionen mit dieser Person umzugehen: aus dem Weg gehen oder ihren Worten keinen Glauben zu schenken. Dich mag das vielleicht nicht besonders stören, aber ich mag solche innere Konflikte gar nicht.

Bei dieser Geschichte geht es nicht darum herauszufinden, wer nun im Recht war und wer nicht (deshalb die spärlichen Details). Es geht vielmehr darum zu sehen, was für Auswirkungen entstehen können, wenn wir an Verletzungen festhalten und dadurch innere Konflikte pflegen und fördern. Mit der Zeit kann dies sogar das Ausmass annehmen, dass es in jedem von unseren Lebensbereichen eine Person gibt, welcher wir so begegnen: in der Familie, auf der Arbeit, beim Hobby, usw. Das Problem dabei ist, dass wir dauernd im Ausweichmodus sind und mehr Energie dafür aufwenden, diesen Personen aus dem Weg zu gehen, als die Beziehung zu unseren Mitmenschen zu pflegen.

Wie auch immer, ich hatte ein Problem mit dieser Situation, weil ich solche Einstellungen in mir selbst nicht ausstehen kann. Was habe ich also getan? Ich habe es totgeschwiegen und nun nach rund einem Jahr verarbeiten können. Vorbildlich? Nein. Aber es hat geklappt! Hier vielleicht ein kleiner Tipp am Rande: Verdrängen oder totschweigen ist einfach nur kindisch und kontraproduktiv. Sprich mit der entsprechenden Person und wenn das eure Beziehung nicht zulässt, dann sprich mit einer Vertrauensperson und lass dir von ihr ins Leben reden, damit du die Situation verarbeiten kannst. Du wirst staunen, wie sich die Konflikte in dir zum Teil in Luft auflösen werden, nur weil du mit der Person darüber sprichst! (Ich selbst konnte meine Situation erst ablegen, nachdem ich ein fünfminütiges Gespräch mit einem guten Freund hatte. Dieser hat mir übrigens auch vorgeschlagen, einfach einmal auf die Person zuzugehen und ihr meinen inneren Konflikt zu schildern…)

Noch einmal zurück zum Tipp aus der Bibel, „Seht zu, dass keine bittere Wurzel unter euch Fuß fassen kann, denn sonst wird sie euch zur Last werden und viele durch ihr Gift verderben.“
Wie bei so vielen Dingen in unserem Leben haben wir nicht besonders gute Karten, wenn wir zu uns selbst sagen, „Es betrifft sowieso nur mich.“ Die Bibel schreibt es hier sehr gut, denn Bitterkeit wird „…viele durch ihr Gift verderben.“

„Viele“ schliesst zu Beginn vielleicht die Familie oder den Freundeskreis mit ein. Anschliessend deinen Arbeitsplatz oder deine Schule. Danach vielleicht ein ganzes Dorf oder eine ganze Stadt. Bitterkeit ist im Endeffekt das, was Menschen zu Monstern werden lässt, weil wir uns dann nur noch einen Dreck darum kümmern, wie es anderen geht, oder was für einen Preis sie zahlen müssen, damit ich meine Macht und meinen Reichtum habe. Ich weiss, dass das sehr schwarz gemalt ist. Das ist auch so beabsichtigt 😉

Aber! Wenn ganz viel Bitterkeit uns zu Monstern werden lässt, dann ist auch nur eine Prise Bitterkeit wohl auch nicht ganz das, was wir in unserem Leben haben wollen. Die Wahl ist dir überlassen! Ich bevorzuge es, mein Leben möglichst aufgeräumt zu halten (auch ich bin kein Meister darin. Liegt vermutlich an der fehlenden Lebenserfahrung 😉 ).

Warum nicht bitter sein? Warum solltest du anderen Personen vergeben? Weil im Endeffekt immer du der / die Leidtragende bist. Niemand ehrt dich dafür oder spricht dir seinen Dank aus. Den meisten ist es egal und deinen nahestehenden Menschen fügst du nur Schmerzen zu, weil sie dich in deinen Schmerzen sehen.

Ich habe mir vorgenommen, in Zukunft Probleme offener anzusprechen, denn totschweigen war nur anstrengend und verletzend für mich selbst.

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Man kann auch bitter werden, weil man sich selbst nicht vergibt. Wenn das du bist, dann mach reinen Tisch mit dir selbst und du wirst bemerken, dass dein Leben viel lebenswerter wird! Schnapp dir einen Freund / eine Freundin, die dir für das Anliegen Verständnis und Hilfe entgegenbringen kann und reiss die bittere Wurzel aus deinem Leben aus! Ich kann auch sehr die Hilfe von Jesus empfehlen, denn er ist definitiv ein Meister darin Probleme zu lösen. Die Wahl ist aber vollkommen dir überlassen…